Pedrali Hochregallager in Bergamo von Cino Zucchi Architetti

Grashalme in Alu

Praxis, 21. Januar 2017
Von: Thomas Geuder

Das Volumen des neuen Hochregallagers von Pedrali hat der Architekt Cino Zucchi formal mit der Umgebung in Einklang gebracht. (Bild: Filippo Romano / CZA)

Das neue Hochregallager des Möbelherstellers Pedrali nahe von Bergamo in Italien sollte sich trotz seiner Größe harmonisch ins Umfeld einfügen. Cino Zucchi aus Mailand hat dafür eine Fassadenarchitektur erdacht, die die Landschaft in Farbe und Form abstrahiert aufgreift.

Projekt: Hochregallager des Möbelherstellers Pedrali (Bergamo, IT) | Architektur: CZA Cino Zucchi Architetti (Mailand, IT) | Bauherr: Pedrali S.p.a. (Bergamo, IT) | Material: Aluminium-Paneele mit einseitig farbig beschichteten Aluminium-Schwertern | vollständige Projekttafel siehe unten

«Fili d‘erba», Grashalme, so nennt sich das neue Hochregallager des Möbelherstellers Pedrali in Bergamo/Italien. Es ist das jüngste Bauwerk am Hauptsitz und bildet das südliche Ende von nun insgesamt vier einzelnen Industrie- und einem Verwaltungsgebäude an diesem Ort. Verbunden sind die durch eine Art Hochstraße, auf der acht autonome Shuttles die Waren von A nach B bringen. Alt und Neu unterscheiden sich hier in puncto Großform nur wenig, doch mit dem Neubau wagte sich der Möbelhersteller – nicht zuletzt wegen der nur noch kleinen zur Verfügung stehenden Fläche – noch einmal kräftig in die Höhe: Mit 29 m (und einer Länge von 135 m) ist das von Cino Zucchi Architetti aus Mailand entworfene Gebäude das höchste und vor allem weithin sichtbarste im Ensemble. Bauvolumen verpflichtet, könnte man also sagen, und so war eines der wichtigsten architektonischen Anliegen Cino Zucchis das möglichst harmonische Einfügen des Kubus in seine Umgebung. Denn Pedrali sitzt rund 13 Kilometer südlich des Zentrums von Bergamo, gleich neben der Gemeinde Ghisalba, wo das Flüsschen Fiume Serio eine schmale Auenlandschaft geschaffen hat und das Umfeld vor allem von Landwirtschaft geprägt ist.

Das natürliche Silbergrau von Aluminium und verschiedene Grüntöne sind die Farben, mit denen Zucchi die Fassade gestaltet hat. (Bild: Filippo Romano / CZA)

Das Haus ist konstruktiv von innen nach außen entwickelt und gebaut: Entsprechend der Erfordernisse eines automatisierten Hochregallagers wurden erst die Regale aufgebaut, die anschließend mit einer Fassade versehen wurden. Als Fassadenmaterial wählte Zucchi silbergraues Aluminium, eine Referenz auf die maschinenhafte Regalkonstruktion im Inneren, die Raum für immerhin 16.880 Paletten bietet. Außerdem mischt sich die Farbe des Aluminiums meist sehr gut mit der Farbe des Himmels, der hier in der Lombardei nicht selten bedeckt grau ist. Die Alu-Haut hat Zucchi schließlich mit Schwertern ebenfalls aus Aluminium versehen, die rechtwinklig hervorstehen und dadurch ein grafisches Muster und ein Schattenspiel erzeugen. Die Innenseite der Schwerter ist mit verschiedenen Grüntönen versehen, deren Farbton aus der Umgebung entlehnt ist. So zeigt sich das Gebäude je nach Blickwinkel mal zurückhaltend silbergrau oder farbenfroh. Über Eck betrachtet sind sogar beide Varianten zu sehen. Schaut man direkt, also senkrecht auf die Fassade, da die komplette Innenseite der L-förmigen Schwerter mit der Farbe versehen sind. So ist die Fassade des Hochregallagers für Cino Zucchi nicht bloß eine Projektion der inneren Funktion, sondern eine Art Leinwand, mittels der das Industriegebäude auf seine Umgebung reagiert und mit ihr architektonisch kommuniziert. Um diesen Zusammenhang noch zu verstärken, haben Cino Zucchi und Patrizia Bezzi neben dem Gebäude neue Bäume pflanzen lassen, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zusätzlich eine immer größere vermittelnde Rolle einnehmen werden.

Durch die lediglich einseitige Farbgebung auf den Alu-Schwertern ergeben sich vielfältige Changierungen in der Ansicht. (Bild: Filippo Romano / CZA)

Die Aluminium-Haut ist mit L-flörmigen Schwertern aus Aluminium versehen, die ein Farb- und gleichzeitig ein Schattenspiel erzeugen. (Bild: Filippo Romano / CZA)

Ansichten Ost, Nord, Süd und West (vlonru.) (Quelle: CDA)

Das Gebäude wurde quasi von innen nach außen gebaut, sprich: zuerst die Regale, dann die Fassasde. (Bild: Filippo Romano / CZA)

Die Fassade ist an zahllosen Punkten, die in den Schwertern versteckt werden, direkt mit den Regalen verbunden. (Bild: Filippo Romano / CZA)

Auch innen (hier der Raum zwischen Alt und Neu) wurde die Farbgebung der Fassade übernommen. (Bild: Filippo Romano / CZA)

Um einen kleinen Einblick ins Gebäude von außen zu gewähren, hat Cino Zucchi einen Teil der Fassade «aufgeschoben». (Bild: Filippo Romano / CZA)

Drei Grüntöne hat sich der Architekt für den Fassadenentwurf herausgesucht, die zusammen mit dem Silbergrau des Aluminiums den Industriebau mit der Umgebung in Einklang bringen sollen. (Bild: Filippo Romano / CZA)

Projekt
Hochregallager von Pedrali
Bergamo, IT

Architektur
Cino Zucchi Architetti
Mailand, IT

Material
Aluminium-Paneele mit einseitig farbig beschichteten Aluminium-Schwertern

Bauherr
Pedrali S.p.a.
Bergamo, IT

Landschaftsarchitekt
Patrizia Bezzi

Fassadenbauer
Frea & Frea S.r.l.
Baldissero d’Alba, IT

Metallbauer
Mangili & Associati S.p.a.
Grumello del Monte, IT

Fertigstellung
2016

Fotografie
Filippo Romano
Das Projekt wurde in Englisch bereits im World-Architekts eMagazin veröffentlicht: Aluminium 'Blades of grass'
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