Verwaltungsgebäude mit Dachgewächshaus am Altmarkt in Oberhausen

Raumhaltig

Podest, 1. März 2017
Von: Peter Petz

Gebäudeintegriertes Dachgewächshaus und Verwaltungsgebäude, Blick vom Altmarkt

Kuehn Malvezzi und die Landschaftsarchitekten atelier le balto gewinnen den Wettbewerb «Gebäudeintegriertes Dachgewächshaus und Verwaltungsgebäude am Altmarkt Oberhausen». Johannes Kuehn stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.


Peter Petz: In Oberhausen soll in zentraler Lage am Altmarkt ein Neubau für ein Verwaltungsgebäude mit dem Jobcenter Oberhausen als Ankermieter errichtet werden. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?
Johannes Kuehn: Die Ausgangssituation bestand in einer Auslobung, die mit der Kombination aus einem Verwaltungsgebäude und einem Gewächshaus eine ungewöhnliche Bauaufgabe formuliert. Uns hat die Herausforderung gereizt, beide Typologien sowohl in Hinblick auf die städtebauliche Setzung und die architektonische Sprache zusammenzudenken als auch in technischer Hinsicht Synergien herzustellen. Es ist ein Pilotprojekt mit Beteiligung des Fraunhofer Instituts, das heißt wir sind hier in Bezug auf die technische Konzeption und Umsetzung nahe an der Forschung, auch das ist ein interessanter Aspekt. Darüber hinaus beschäftigt uns das Thema Gewächshaus schon seit einer gewissen Zeit intensiv. Gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten atelier le balto, mit denen wir auch in Oberhausen zusammenarbeiten, planen wir aktuell das Insectarium in Montreal, also ein Insekten-Museum. Dort kommt die Gewächshaus-Typologie in einem Museum zum Einsatz, in Oberhausen ist es ein öffentlicher Garten auf einem Verwaltungsgebäude. In beiden Fällen erfährt das uns vertraute System Gewächshaus eine Neuinterpretation.  

Lageplan

Wie organisieren Sie das Gebäude?
Das Bauwerk besteht aus den zwei in ihrer Nutzung eigenständigen und dennoch ineinandergreifenden Bereichen Bürohaus und Gewächshaus. Mit seiner Ziegelfassade tritt das Haus dem Ensemble öffentlicher Gebäude bei, die das Stadtbild Oberhausens prägen. Aus dem Spannungsverhältnis von Körperhaftigkeit des Backsteinbaus und filigraner Leichtigkeit des Dachgewächshauses resultiert die neue Identität des stadträumlich wichtigen Ortes am Altmarkt. Hinzu kommt ein drittes wichtiges Element: Ein vertikaler Garten bildet den Übergang von geschlossener zu offener Bebauung auf der dem Platz zugewandten Seite.
Die drei Bereiche Bürohaus, Gewächshaus und vertikaler Garten sind in ihrer Gliederung aufeinander bezogen. Eine Struktur aus verzinktem Stahl bildet das Grundmaß, das in unterschiedlichen Bauteilen variiert wird: in der gläsernen Gewächshauswand, in der Teilung der Bürofenster sowie im offenen Rankgerüst des vertikalen Gartens.
Das Bürohaus wird von der Marktstraße aus erschlossen. Im Erdgeschoss befinden sich Empfang, Wartebereich, Veranstaltungsflächen sowie Büroflächen des Jobcenters. Die darüber liegenden Geschosse bis ins 4. Obergeschoss dienen der Büronutzung durch das Jobcenter. Der vertikale Garten liegt am Altmarkt und verbindet das Dachgewächshaus mit dem Platz. Das Gewächshaus wird bewusst auch als Altmarktgarten bezeichnet, weil es ein öffentlich zugänglicher und auch nutzbarer Garten ist. Er ist unterteilt in den öffentlichen Teil und einen für Forschung und Entwicklung vorgesehenen Bereich.

Grundriss Erdgeschoss

Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?
Was gibt das Gebäude – über das in der Ausschreibung formulierte Programm hinaus – der Stadt, auf welche Weise stärkt es den öffentlichen Raum? Dieser Frage gehen wir bei jedem Wettbewerb aufs Neue nach und eine der Antworten in diesem Fall ist der vertikale Garten: Ein raumhaltiges Gerüst dient als Tragstruktur für Treppen, Plattformen, Lastenaufzug, Pflanz- und Filtertröge sowie Rankhilfen. Auf diese Weise entsteht ein abwechslungsreicher Parcours, der für die Besucherinnen und Besucher eine öffentliche Verbindung zwischen dem Platz und dem Dachgarten schafft, vielfältige Orte und Ausblicke bereithält und zur Partizipation am Urban Gardening einlädt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters profitieren insofern, als die Aufenthaltsräume durchgehend in allen Geschossen zum vertikalen Garten hin orientiert sind und dort einen Außenbereich erhalten. Auch städtebaulich ist der Garten wirksam. Die halboffene Struktur vermittelt zwischen der geschlossenen Bebauung des Bürobaus und der angrenzenden offenen Bebauung.
Und nicht zuletzt untersuchen wir gerade genauer, welche technische Funktion der Garten übernehmen kann, inwiefern zum Beispiel Abwässer über eine Kaskade von Filterbecken gereinigt und dem hauseigenen Kreislauf wieder zugeführt werden können. Der vertikale Garten ist ein komplexes Element, das Bürohaus und Dachgewächshaus architektonisch, städtebaulich und technisch miteinander verschränkt.

Abwechslungsreicher, grüner Parcours

Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Die Fertigstellung ist für Dezember 2018 geplant.

Modell

Gebäudeintegriertes Dachgewächshaus und Verwaltungsgebäude am Altmarkt, Oberhausen
Beschränkter Wettbewerb

Auslober/Bauherr: OGM Oberhausener Gebäudemanagement GmbH, Oberhausen
Betreuer: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund, Stuttgart

Jury
Prof. Gesche Grabenhorst | Peter Köster | Christof Nellehsen | Jórunn Ragnarsdóttir | Amandus Sattler | Lars-Christian Uhlig | Daniel Schranz | Hartmut Schmidt | Uwe Weinand

1. Preis
Architekt: Kuehn Malvezzi, Berlin
Beratung Gewächshaus: Haas Architekten BDA, Berlin
Tragwerksplaner: HL-Technik Engineering Partner GmbH / HL Beratungs- und Beteiligungs-GmbH, München
Landschaftsarchitekt: atelier le balto, Berlin

2. Preis
Architekt: Bolwin | Wulf Architekten, Berlin
TGA-Fachplaner: HDH Berlin GmbH, Berlin
Landschaftsarchitekt: LAVALAND Laura Vahl, Berlin

3. Preis
Architekt: Architekten BKSP, Hannover
Tragwerksplaner: KFP Ingenieure PartGmbB, Buxtehude
TGA-Fachplaner: Juhrig Ingenieurbüro GmbH, Hannover
Landschaftsarchitekt: nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover

Kuehn-MalvezziAtelier-le-baltoGebäudeintegriertes-Dachgewächshaus-und-Verwaltungsgebäude-am-AltmarktOberhausenHaas-ArchitektenHL-Technik