Historische Mitte Köln

Klarer Abschluss der Domplatte

Podest, 21. Dezember 2016
Von: Peter Petz

Blick vom Hackenbergplatz

Staab Architekten gewinnen den Wettbewerb «Historische Mitte Köln». Volker Staab stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.


Peter Petz: In direkter Nachbarschaft zum Kölner Dom soll in Ersatz zur dort vorhandenen Bebauung ein Neubauensemble entstehen, das das Kurienhaus, ein Stadtmuseum und ein Studiengebäude für das Römisch-Germanische Museum beherbergen soll. Wie haben Sie die Wettbewerbsaufgabe interpretiert?
Volker Staab: Unser Baufeld an der Südostecke der Domplatte hat die Besonderheit, dass dort zwei Ebenen aufeinandertreffen: die Domplatte und die niedrigere Altstadtebene mit dem östlich angrenzenden Kurt-Hackenberg-Platz. Wir sahen es als unsere Aufgabe, die verschiedenen Niveaus in den Entwurf einzubinden und mit dem Baukörper des Stadtmuseums einen klaren Abschluss der Domplatte zur Altstadt hin zu definieren. Auf der Domplatte ging es uns darum, verschiedene stadträumliche Qualitäten herauszuarbeiten. Vom Roncalliplatz, der als Abschluss der geplanten «Via Culturalis» eher einen weiten Durchgangsraum bildet, sollte man zu einem ruhigeren, stärker gefassten Platz gelangen, von dem aus die Museen und das Studiengebäude erschlossen werden und gassenartige Verbindungen in die Altstadt entstehen.

Lageplan

Wie organisieren Sie das Museum?
Das Stadtmuseum und das Römisch-Germanische Museum verbindet der geschichtliche Bezug zu den römischen Ausgrabungen unter der Domplatte und zum Kölner Dom. Wir haben deshalb ein gemeinsames Untergeschoss mit den römischen Ausgrabungen entworfen, das aus den Foyers beider Museen und vom Kurt-Hackenberg-Platz erreicht wird. Für das räumliche Konzept des Stadtmuseums spielte die Verbindung zum Dom, in dem sich die zweite, wesentliche Zeitschicht Kölns auf beeindruckende Weise manifestiert, eine besondere Rolle. Wir wollten eine möglichst flexible Struktur entwickeln, die es möglich macht, den Dom immer wieder mit der Ausstellung zu verknüpfen. Das Stadtmuseum ist um einen Innenhof, in dem das Stadtmodell stehen soll, organisiert und bis auf zwei Erschließungsspangen stützenfrei ausgebildet. In den Gebäudeecken sind zweigeschossige Räume mit großen Panoramafenstern angeordnet, in denen besondere Exponate in direktem Bezug zum Dom und zur Stadt zu präsentiert werden können.

Grundriss Erdgeschoss

Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig
Sicherlich spielt die städtebauliche Setzung der Gebäude eine entscheidende Rolle bei diesem Entwurf. Alle wichtigen Sichtachsen zum Dom bleiben frei, der neue Museumsvorplatz entsteht aus der Logik der Bewegungsrichtungen und den städtebaulichen Bezügen zur Umgebung, das Stadtmuseum bildet nach Südosten einen kräftigen Schlussstein der Domplatte. Ein zweites Thema war die Lesbarkeit oder die Identität der unterschiedlichen Gebäude. Die drei geforderten Funktionen können zwei unterschiedlichen Gebäudetypologien zugeordnet werden. Wir haben sie deshalb auch in zwei Baukörper zusammengefasst: In das Stadtmuseum mit seinen großen Ausstellungsräumen und den gezielt gesetzten Öffnungen und in einen schmaleren, regelmäßig gegliederten Riegel für die Kurie und das Studiengebäude des Römisch-Germanischen Museums.

Foyer

Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?
Wir möchten mit einem einheitlichen Material und einer abgestimmten Farbigkeit die Ensemblewirkung der Neubauten und des Römisch-Germanischen Museums stärken, wobei der angemessene Auftritt der Neubauten in unmittelbarer Nähe des Kölner Doms den Maßstab setzen wird. Gleichzeitig werden die Gebäude ihrer unterschiedlichen Nutzung und ihrem unterschiedlichen Charakter entsprechend ausformuliert werden, das heißt, sie werden zwei ganz verschiedene Fassaden erhalten und auch im Inneren sehr unterschiedlich ausgestaltet werden.

Am Hof

Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Nein.

Ausstellung

Historische Mitte Köln
Nicht offener architektonischer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil nach RPW 2013 und VOF 2009

Auslober/Bauherr: Metropolitankapitel der Hohen Domkirche Köln, Köln; Stadt Köln, Köln
Betreuer: Herwarth + Holz, Freischlad + Holz, Planung und Architektur, BDA, Berlin, Cottbus, Darmstadt

Jury
Prof. Julia B. Bolles-Wilson, Vors. | Roger Boltshauser | Andreas Bründler | Prof. Donatella Fioretti | Peter Füssenich | Christoph Gantenbein | Prof. Susanne Gross | Franz-Josef Höing | Thomas Metz | Jürgen Minkus | Martin Struck | Prof. Jörn Walter | Katherin Bollenbeck | Albert Distelrath

1. Preis
Architekt: Staab Architekten, Berlin
TGA: WBP Winkels Behrens Pospich Ingenieure für Haustechnik, Münster

ein 3. Preis
Architekt: Durisch + Nolli Architetti, Massagno

ein 3. Preis
Architekt: Caruso St John Architects, London, Zürich

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