Dynamische Skulptur

Energie- und Zukunftsspeicher, Heidelberg

Podest, 23. November 2016
Von: Peter Petz

Blick auf den Energie- und Zukunftsspeicher

LAVA - Laboratory for Visionary Architecture gewinnt den Wettbewerb «Gestaltung des 'Energie- und Zukunftsspeichers' einschließlich Gastronomie und Freiflächen im Energiepark Heidelberg». Tobias Wallisser stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.


Peter Petz: Am Standort eines alten Gasometers soll in Heidelberg ein Energie- und Zukunftsspeicher als weithin sichtbarer «landmark» und einer Höhe von circa 56 Metern realisiert werden. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?
Tobias Wallisser: Der geplante Wärmespeicher «Energie- und Zukunftsspeicher» wird zu den höchsten Gebäuden der Stadt Heidelberg gehören. Technisch kompensiert die Fluktuation zwischen Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien und deren Abnahme durch den Verbraucher. Speicherung ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende. Als neues Wahrzeichen der Stadt soll das Gebäude die Zielsetzung zur Realisierung der Energiewende durch die Stadtwerke und die Idee zukunftsfähiger Technologien lebendig machen. Der «Wissensspeicher» tritt an Stelle eines Gastanks, der seinerseits in den 1950er-Jahren ein Sinnbild der Energiepolitik war, und markiert auch damit die Zeitenwende. Formal und geometrisch unterscheidet sich der Tank zunächst kaum von seinem Vorgängerbau. Damit stellt sich die Frage: Wie können die Parameter der Energiewende, Dezentralität, Vernetzung, Flexibilität und Adaptivität in der Gestaltung der äußeren Hülle sichtbar gemacht werden?

Lageplan

Wie kamen Sie zum Baukörper?
Zunächst einmal war das Volumen des zylindrischen Speichers mit einer Höhe von 50m und einem Durchmesser von 25m als Teil der Energieversorgung vorgeben. Wir haben dann für den Energiepark, der darum herum entstehen soll, eine Gesamtstrategie entwickelt, die alle gewünscheten Elemente miteinander verbindet, die Bedeutung des Speicherturms für die Energiewende verdeutlicht und umweltpädagogische Informationen anbietet. Gestalterisch haben wir die Elemente Restaurant und Aussichtsplattform, Zugangsbrücke, Fassade des Energiespeichers und Wissensvermittlung organisiert mittels verschieden großer ringförmiger Elemente, die sich um den Zylinder herumlegen. Dadurch werden besondere Erlebnisse für Besucher geschaffen: der Park wird zur dreidimensionalen Struktur, der Energiespeicher wird zum Aussichts- und Erlebnisraum, Fluchttreppen werden zu vertikalen Promenaden mit Wissensvermittlung, und die Aufzüge werden zu einer Reise über den Horizont der Stadt mit Sicht auf die Umgebung.

Konzeptskizze

Wie organisieren Sie den Energie- und Zukunftsspeicher?
Das Prinzip der um den Zylinder rotierenden Ringe setzt sich vom Außenraum ins Gebäude fort. Unterschiedlich geneigte «Energieloops» schrauben sich um den Gebäudekörper herum dramatisch in die Höhe bis auf die öffentlich zugängliche Dachterrasse, die den Höhepunkt eines Besuchs im Energiepark bildet. Die beiden Aufzüge werden als aussenliegende, freie Panoramaaufzüge mit Sicht zur Stadt positioniert. Über eine Brücke gelangen die Besucher zunächst auf eine elliptische Eingangsebene. Der Zugang zu den Aufzügen erfolgt außen um den zylindrischen Tank herum und lässt seine Größe erfahrbar werden. Mit dem Eintritt ins Gebäude legt sich die äußere Hülle als Schleier vor die Räume. Oben auf dem Speicher befinden sich die Eventebene und die Bistroebene. Beide Funktionen sind auf eigenen Ebenen mit nach Südwesten asymmetrisch verschobenen eigenen Terrassen angeordnet, aber über eine innenliegende Treppe miteinander verbunden. Alle Nebenräume wie Anlieferung, Lager, Sozialräume und Catering-Küche werden im Sockel des Gebäudes unterhalb der Zugangsebene angeordnet.

Grundriss 3. Obergeschoss – Bistro

Grundriss 1. Obergeschoss – Eingang

Schnitt

Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?
Für die Fassade planen wir einen mehrschichtigen Fassadenaufbau, der dem massiven Körper Tiefe und ein abwechslungsreiches, dynamisches Erscheinungsbild verleiht. Um den Tank herum wird eine innere Hülle in farblich leicht unterschiedlichen Blautönen angeordnet. An den davor liegenden elliptischen Trägerrohren werden Außentreppen angeordnet, die sowohl als Fluchttreppen wie auch als öffentlicher Abstieg benutzt werden können. Zwischen den Rohren befindet sich ein Seilnetz, in das ca 20.000 diamantförmige Plättchen aus dünnem tiefgezogenen Edingangelstahl mit einer einfachen elastischen Verbindung eingehängt werden. Diese dynamische Hülle glitzert im Sonnenlicht, während sanfte Wogen aus Licht und Bewegung wellenförmig über die Oberfläche gleiten. Von Wind verursachte wellenförmige Bewegungen laufen über die vorgelagerte Gebäudehaut und erwecken diese zum Leben. Die Anzahl der Plättchen kann als Anzahl der über das Netzwerk versorgten Häuser, beziehungsweise Haushalte interpretiert werden.

Detail

Fotomontage

Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Für den zylindrischen Speicher ist der Baubeginn für Anfang des nächsten Jahres geplant. Die Abstimmung mit den von uns gestalteten Baumassnahmen ist noch im Gange.

Gestaltung des 'Energie- und Zukunftsspeichers' einschließlich Gastronomie und Freiflächen im Energiepark Heidelberg
Beschränkter Realisierungswettbewerb

Auslober/Bauherr: Stadtwerke Heidelberg GmbH, Heidelberg
Betreuer: Hartmann & Hauss, Heidelberg

Jury
Prof. Michael Schumacher, Vors. | Prof. Dr. Klaus Bollinger | Prof. Michael Braum | Dea Ecker | Annette Friedrich | Ulrich Genth | Prof. Undine Giseke

1. Preis
Architekt: LAVA - Laboratory for Visionary Architecture, Stuttgart, Sydney, Berlin
Team: Julian Fahrenkamp, Christian Tschersich, Angelika Herman, Jan Kozerski,
Elvira Perfetto (Renderings)
Fassade: Priedemann Fassadenberatung - Lars Anders, Stephanie Heese
Energietechnik: Transsolar - Prof. Matthias Rudolph
Landschaftsarchitekt: A24 Landschaft, Berlin - Stefan Robel, Jan Grimmek, Oliver Ferger
Künstler: White Void, Berlin - Christopher Bauer, Anna Pilarska, Lukas Mroczkowski

2. Preis
Architekt: v-architekten, Köln
Landschaftsarchitekt: Dirk Melzer Landschaftsarchitekt, Köln
Künstler: Thorsten Goldberg, Berlin

3. Preis
Architekt: netzwerkarchitekten, Darmstadt
Tragwerksplaner: Dr. Kreutz + Partner, Nürnberg, Oberschleißheim, Bamberg, Münnerstadt

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