Wang Shu in Kopenhagen

Fundstück, 8. März 2017
Von: Christian Schittich

Blick in die Ausstellung (Bild: Christian Schittich)

Der chinesische Architekt  Wang Shu, 2012 überraschend mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichnet, gehört im Moment zweifellos zu den faszinierendsten Architekten. Seine eigenwillige Architektur ist inspiriert von der Kultur seines Heimatlandes und zeichnet sich durch eine kraftvolle Formensprache und raue Materialität aus.

Amateur Architecture Studio nennt Wang Shu sein Büro, das er zusammen mit seiner Frau Lu Wenyu betreibt, um sich von der etablierten Architektenschaft abzugrenzen. Ganze acht Jahre nach seiner letzten Schau ist Wang Shu nun wieder mit einer lohnenswerten Einzelausstellung in Europa vertreten, die seit Anfang Februar im Louisiana Museum bei Kopenhagen als Beginn einer neuen Reihe unter dem Motto «The Architect`s Studio»  zu sehen ist.

Das Louisiana, berühmt wegen seiner fantastischen Integration in die Landschaft, zeigt sich dabei als der ideale Ort für eine Präsentation dieses so sinnlichen Baumeisters. Schon der Weg zur Ausstellung ist inszeniert. Der Besucher nähert sich seinem Ziel durch langgestreckte verglaste Pavillons, vorbei an Plastiken von Max Ernst und Giacometti, mit immer wieder wechselnden Ausblicken in die verschneiten Gärten oder auf das stürmische Meer.
 

Xiangshan Campus in Hangzhou (Bild: Iwan Baan)

Gleich zu Beginn der Schau findet sich der Betrachter unvermittelt vor dem riesigen Teilmodell des Xiangshan Campus, der neuen Kunstakademie in Hangzhou. Dieses aus sage und schreibe 21 unterschiedlich gestalteten Einzelbauten bestehende, zwischen 2002 und 2007 realisierte Gebilde, gilt bislang neben dem Historischen Museum in Ningbo von 2008 als Meisterwerk des Architekten. Und erst im Modell wird dem Betrachter dessen Komplexität und Vielfalt an Formen in ihrem gesamten Ausmaß bewusst.

Neben Hangzhou und Ningbo zeigt die Ausstellung auch die beiden jüngsten Werke von Wang Shu, das riesige Kulturzentrum in Fuyang, sowie die Dorferneuerung von Wencun, sein aktuelles Lieblingsprojekt. Darüber hinaus erläutert Wang Shu seine Philosophie, Herangehensweise und seine wichtigsten Inspirationsquellen. Den zentralen Raum aber nehmen seine Materialien ein. Ähnlich wie schon auf der letztjährigen Architekturbiennale in Venedig präsentiert er Collagen aus recycelten Steinen und Dachziegeln, sehr ästhetisch in Holzrahmen zusammengestellt, Wandstrukturen aus Bambus in unterschiedlichen Strukturen sowie diverse Baustoffe für Schaltafeln und deren entsprechende Abdrücke im Beton. So gibt die anschauliche und sehr ästhetisch präsentierte Ausstellung einen fundierten Einblick in das Schaffen des Architekten. Den Besuch wert ist sie auf jeden Fall.

In Szene gesetzt in der Ausstellung: Das Historische Museum in Ningbo (Bild: Christian Schittich)

Materialien im Fokus (Bild: Christian Schittich)


  • mehr zur Ausstellung und zu den Projekten Wang Shus gibt es im dieswöchigen eMagazin von world-architects


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